Low-Dose Naltrexon (LDN)
Low-Dose Naltrexon (LDN) ist ein gut verträgliches Medikament zur Linderung chronischer Schmerzen, insbesondere bei Fibromyalgie, und Immunfehlregulationen. Zusätzlich zu den Schmerzen bessern sich häufig auch Energie, Konzentrationsfähigkeit und Stimmung.
Geschichte und Wirkweise
Naltrexon wurde ursprünglich zur Behandlung von Suchterkrankungen entwickelt und in der Schweiz 2003 zugelassen. In sehr niedriger Dosierung, circa 100-fach niedriger als in der Suchtbehandlung, kommt es nur zu einer kurzfristigen Blockade der Opioidrezeptoren, was den Organismus dazu anregt, eigene Endorphine zu produzieren und die Empfindlichkeit der Rezeptoren zu steigern.
LDN bewirkt zudem nicht nur eine Aktivierung körpereigener Schmerzabwehr, sondern hemmt auch Entzündungsprozesse und reguliert Immunreaktionen, insbesondere durch die Blockade spezieller Rezeptoren (z.B. TLR4) auf Entzündungszellen im Nervensystem. Die Folge ist eine Reduktion von entzündungsfördernden Botenstoffen und eine Modulation des Immunsystems, was gerade bei chronischen Entzündungen, Autoimmunprozessen, Post-Covid-Syndrom und ME/CFS sehr vielversprechend ist.
Nebenwirkungen und Procedere
Die Therapie gilt bei korrekter Durchführung als sicher und nebenwirkungsarm, mögliche Nebenwirkungen wie Schlafstörungen oder leichte Magen-Darm-Beschwerden sind selten und in der Regel mild. Opioide sollten während einer LDN-Therapie vermieden oder nur unter strenger ärztlicher Überwachung eingenommen werden. Häufig lässt sich dann auch eine Reduktion der Opioiddosierungen erzielen.
Der Beginn und die Dosierung von LDN erfolgt immer nach individueller, schrittweiser Anpassung in ärztlicher Begleitung und ist tatsächlich von Patientin zu Patientin unterschiedlich. Da LDN ein sogenannter «off-label use» ist, muss die Rezeptur individuell angefertigt werden – die Kosten werden nicht immer von der obligatorischen Krankenversicherung übernommen.
Zusammenfassung für Ärzt:innen
Für Ärzt:innen zusammengefasst: LDN bietet über eine transiente μ-Opioidrezeptorblockade und TLR4-Hemmung eine Steigerung endogener Opioidproduktion, verbessert die Rezeptorempfindlichkeit und hemmt neuroinflammatorische Prozesse. Die Anwendung ist sicher und muss auf Grund der idiosynkratischen Dosis immer individuell titriert erfolgen. Die Literatur berichtet positive Effekte bei chronischen Schmerzen, Fibromyalgie und immunvermittelten Erkrankungen (z.B. Post-Covid) sowie eine deutliche Reduktion von Opioiddosierungen. Die Anwendung erfolgt aktuell off-label, eine Übernahme durch die OKP ist damit nicht verpflichtend.